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Eine Klasse und ihr Kunstlehrer ehren Aicher

Anlässlich des 100. Geburtstags des für Isny so wichtigen Designers passiert in der Stadt so einiges – auch fernab vom „aichermagazin“ im Kurpark, das am 21. Mai eröffnet wird. In der Galerie unter den Arkaden im Amtshaus an der Bergtorsraße sind seit Anfang Mai Arbeiten von Schülerinnen und Schülern des Isnyer Gymnasiums ausgestellt, die sich mit der Idee der Bildzeichen auseinandergesetzt haben. 13 Bilderrahmen zieren das Kunstfenster unter den Arkaden an der Ecke Bergtorstraße und Kanzleistraße – eine „kleine Ausstellung“, auf die Kunsterzieher Matthias Baader und seine die Schüler der Klassenstufen fünf bis acht des Isnyer Gymnasiums stolz sind. Im Kunstunterricht haben sie sich im Februar in mehreren Schulstunden dem Gestalter Otl Aicher und dem Erscheinungsbild, das er einst für Isny entwickelte, genähert und sich intensiv mit Aichers Bildsprache auseinandergesetzt. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben sich mit viel Elan und Schaffensfreude mit dem spannenden Kosmos Otl Aicher beschäftigt“, erzählt Baader. Aus Sicht der Fachschaft war Aicher nicht nur bedeutsam für Isny und die Region, sondern hat wie kaum ein anderer Kreativer weltweit, die visuelle Kommunikation geprägt, und „tut es noch immer“.

Etwa zwei Monate lang wird die Ausstellung unter den Arkaden zu sehen sein. Das Projekt habe auf „spannende Art jungen Menschen einen originellen Zugang zum Denken und Machen Otl Aichers ermöglicht“, so das Fazit von Matthias Baader.

Kontakt: Gymnasium Isny Rainstraße 27, 88316 Isny im Allgäu, Telefon: 07562 975650.

Olympische Spiele 1972: München feiert – und gedenkt

Fröhliche Farben, spektakuläre Zeltdächer und ein liebenswertes Maskottchen: So bleiben die Olympischen Spiele 1972 in München in Erinnerung. Aber auch das: ein Attentat auf die israelischen Athleten, bei dem ein Polizist und elf Sportler ihr Leben verloren, haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. In diesem Jahr wird in München das 50. Jubiläum der Olympischen Spiele gefeiert. Das ganze Jahr über gibt es unter dem Motto „München auf dem Weg in die Zukunft 1972–2022–2072“ in der Stadt Ausstellungen und Veranstaltungen zu den Themen Sport, Kultur, Design, Architektur, Erinnerungskultur und das Miteinander in der Demokratie – im öffentlichen und digitalen Raum. So feiert zum Jubiläum das Olympiadorf gemeinsam mit der Olympia-Pressestadt von Freitag, 13. Mai, bis Sonntag, 22. Mai, eine Festwoche.

Einreichungen erbeten: Otl Aicher-Preis für Nachwuchsgestaltende

Aus diesem Anlass von Aicher Geburtstag fördert der otl aicher rotis e. v. schriftliche Arbeiten von Studierenden oder Nachwuchsgestaltenden, die sich dem Leben und dem Werk Otl Aichers widmen. Die eingereichten Arbeiten sollten mit dem Werk Aichers zu tun haben, sich mit einem Aspekt seiner Werke oder mit einem Teil seiner Biografie auseinander setzen. Es geht auch darum, neue Themen, wenig berücksichtigte Aspekte seines Lebens und Werks zutage zu fördern. Bei ausreichender Qualität und Umfang wird die erstplatzierte Arbeit veröffentlicht, die Plätze 1 bis 3 werden mit Geldpreisen in Höhe von 5.000 Euro, 2.500 Euro und 1.000 Euro prämiert.
Einreichungen werden erbeten bis zum 31. Januar 2023. Bis zum Sommer des Jahres 2023 wird die Jury die Arbeiten bewerten. Die Gewinner werden benachrichtigt.

Einreichungen bitte digital per Mail an Manuel Aicher vom otl aicher rotis e. v. aicher[at]aicherweb.com

Typisch Aicher, typisch Isny: Eine Stadt feiert den berühmten Jubilar

In den Siebzigerjahren statuiert Otl Aicher mit dem Erscheinungsbild für Isny im Allgäu ein Exempel moderner Stadtwerbung: mit schwarzen Linien und geometrischen Formen auf weißem Grund, in fast quadratischem Rahmen, entstehen 136 Bildzeichen, die die Vielschichtigkeit von Stadt und Region kommunizieren. Sie sind heute wichtiger Bestandteil des Stadtdesigns. „Was Aicher für Isny geschaffen hat, ist von unschätzbarem Wert“, betont Rainer Magenreuter, Bürgermeister der Kleinstadt im Allgäu. Zu Aichers 100. Geburtstag präsentiert sich Isny deswegen im Licht des von ihm geschaffenen Erscheinungsbildes. Zum Jubiläum eingeladen sind nicht nur Designbegeisterte, Kunstliebhaber und Grafikexperten, sondern gleichsam Bürger, Freunde und Besucher der Region. Im temporären Ausstellungsbau inmitten des Isnyer Kurparks treffen Besucher auf Otl Aicher und auf den Ort Rotis, wo er lange gearbeitet und gelebt hat. Entlang der originalen Bildzeichen begegnen sie Aichers Isny. Die Kuratorinnen Monika Schnell, ehemalige Mitarbeiterin im Büro Aicher in Rotis, und Kunsthistorikerin Renate Breuss präsentieren die Verbindung zwischen Stadt und Gestalter: mit Fotografien und Anekdoten, anhand von digital zugänglichen Audiotexten und mithilfe der Atmosphäre des nach oben offenen Ausstellungsraumes. Ein umfassendes Veranstaltungsprogramm begleitet das Jubiläum von Mai bis Oktober. Es inszeniert, was Aicher wichtig war und in Isny typisch ist. Bekannte Isnyer Formate wie das Kinder- und Heimatfest und die beliebten Regionalmärkte sind gespickt mit Querverweisen auf den Gestalter. Kreativworkshops, Literaturprojekte, Aufführungen, Mitmachaktionen und Stadtführungen orientieren sich an den Eindrücken, die Aicher einst von Isny hatte: Die Wertschätzung von gutem Essen und frischen Kräutern – am besten aus dem eigenen Garten, die Natur und Kulturlandschaft der Region, die Tradition, gutes Bier, Musik und vielem mehr.

otl aicher 100: „wir haben brot, wir haben spiele“ – Vortrag und Podiumsdiskussion in der Akademie der Künste

Anlässlich des 50. Jubiläums der Olympischen Spiele 1972 lädt das IDZ am 26. August zu einer Diskussion über die Vision der Spiele von München und den Status quo sowie die Zukunft der olympischen Bewegung ein. Die Veranstaltung in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz ist Teil der Initiative „otl aicher 100“, die mit der Onlineplattform otlaicher.de den vielfältigen Themenkosmos von Otl Aicher beleuchtet. Aicher, dessen hundertstes Geburtsjubiläum wir in diesem Jahr feiern, war als Gestaltungsbeauftragter für das visuelle Erscheinungsbild der Münchner Spiele verantwortlich.

Berlin, 2. August 2022 – 36 Jahre nach den ersten deutschen Olympischen Spielen, über denen noch die Hakenkreuz-Fahnen wehten, schuf Otl Aicher für die Spiele der XX. Olympiade in München ein allumfassendes Gestaltungssystem mit dem Regenbogen als Farbpalette und einem Dackel als Maskottchen. Dienten die Spiele 1936 den propagandistischen Interessen der Nazis, so versuchte man 1972 ein weltoffenes Bild zu vermitteln und einen bewussten Kontrapunkt zur Vergangenheit Nazideutschlands zu setzen.

Das Organisationskomitee sah in der Ausrichtung der Münchner Spiele eine historische Verpflichtung und Aufgabe. Es sollte ein Deutschland gezeigt werden, das als verlässlicher, friedlicher Partner in der Völkergemeinschaft den olympischen Gedanken des freundschaftlichen Miteinanders der Nationen lebt. Elementarer Bestandteil für diese Imagebildung war das visuelle Erscheinungsbild, welches unter der Federführung von Otl Aicher entstand. Es sollte die sportlichen und programmatischen Inhalte transportieren und zugleich die spielerische Seite unterstreichen. Die „Regenbogenspiele“ haben bis heute gültige Maßstäbe gesetzt.

Auch die Spiele von München boten jedoch eine tragische Bühne für die Konflikte der Weltpolitik. Die Utopie von der „Jugend der Welt“, die sich zu heiteren Spielen in einem toleranten Land trifft, erstarb im palästinensischen Terroranschlag auf die israelische Mannschaft am 5. September 1972. Dass die Spiele daraufhin nicht abgebrochen wurden, führte weltweit zu kritischen Diskussionen über das moralische Verantwortungsbewusstsein des IOC. Olympia wurde nach München weiter politisiert und kommerzialisiert. „The games must go on“, die Aussage von Avery Brundage nach dem Attentat hat eine scheinbar ewige Gültigkeit bekommen. 2036 könnten die Olympischen Spiele wieder in Berlin stattfinden. Und in Tel Aviv. Eine Idee ganz im Sinne von Otl Aicher? Hätte er sich dafür stark gemacht?

Die Debatte über die Ideale und den Status quo der olympischen Bewegung begleitet uns seit Jahrzehnten. Das öffentliche Image, nicht erfüllte Nachhaltigkeitsversprechen und nicht zuletzt eine sich neu justierende Weltordnung stellen grundsätzliche Fragen über die Zukunft der Spiele und ihre gesellschaftliche Akzeptanz. Die Veranstaltung „wir haben brot, wir haben spiele“ erinnert an die Utopie und Vision der Spiele von München und greift diese Fragestellungen auf.

 

Grußworte:
Prof. Fritz Frenkler, Direktor der Sektion Baukunst der Akademie der Künste
Prof. Karsten Henze, Vorstandsvorsitzender des IDZ

 

Vortrag:
Karsten de Riese, Fotograf
Der offiziell beauftragte Fotograf des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 1972 zeigt seine Sicht auf das Entstehen einer Utopie – einer Vision als Gegenentwurf zu Berlin 1936 und zu Spielen der Gegenwart wie 2022 in Peking. De Riese war aufmerksamer Beobachter vor und hinter den Kulissen und begleitete die Spiele und ihre Protagonisten, u. a. Otl Aicher, Willi Daume wie auch die Funktionäre des IOC und seinen Präsidenten Avery Brundage. Seine Aufnahmen zeigen Sportstätten, die nicht als reine Zweck-Architektur dienten, sondern als Kulisse für ein olympisches Fest mit seinem besonderen Geist erschaffen wurden. Die Spiele von 1972 präsentieren sich als ein zeitloses und bis heute einmaliges interkulturelles, völkerverbindendes Ereignis, bei dem die Welt im besten Sinne zu Gast war.

 

Podiumsdiskussion:
Dr. Benjamin Bendrich, Sportwissenschaftler und -lehrer, Blogger: derballluegtnicht.com
Dajana Eitberger, Rennrodlerin, Gewinnerin der Olympischen Silbermedaille in Pyeongchang 2018, Präsidiumsmitglied der unabhängigen Athleten-Vertretung „Athleten Deutschland“
Dr. Tobias Hoffmann, Direktor des Bröhan-Museums, Kurator der Ausstellung „Otl Aicher. Olympia 72“, 26. August bis 30. Oktober 2022
Uwe Ritzer, Reporter bei der Süddeutschen Zeitung, Co-Autor von „Die Spiele des Jahrhunderts: Olympia 1972, der Terror und das neue Deutschland“, dtv, München 2021

 

„wir haben brot, wir haben spiele“
Olympia als Politikum, Olympia als Utopie, Olympia als Big Business Eine Veranstaltung des IDZ Berlin im Rahmen von „otl aicher 100“

Ort: Akademie der Künste, Plenarsaal, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Termin: Freitag, 26. August 2022, Beginn 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) Get-together im Anschluss an die Veranstaltung

Wir bitten um rechtzeitige Anmeldung auf der Webseite des IDZ.
Bildmaterial für Ihre Berichterstattung haben wir auf unserer Presseseite für Sie zusammengestellt. 

 

Redaktionsteam:
Florian Aicher, Thomas Edelmann, Prof. Dr. Chup Friemert, Kai Gehrmann (Künstlerischer Leiter), Jasmin Jouhar, Katharina Kurz, Prof. Dr. Dagmar Rinker, Gerrit Terstiege und Fabian Wurm (Chefredakteur)

Förderer:
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Unternehmenspartner:
Bulthaup GmbH & Co KG; ERCO GmbH; FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG

Weitere Förderer und Kooperationspartner:
Bauhaus Dessau e.V.; Akademie der Künste, Berlin; Deutscher Werkbund Berlin e.V.; HfG-Archiv Ulm

Medienpartner:
ARCH+; brand eins; ndion