What’s become of Otl Aicher’s former abode? A visit to the Allgäu.
What’s become of Otl Aicher’s former abode? A visit to the Allgäu.
Interviewed: Erik Spiekermann, type designer, author and Aicher critic.
Technology: a central notion and fixed point of perspective in the work of Otl Aicher.
The British architect Norman Foster on his friendship with Otl Aicher: He had absolute integrity.
Thoughts on the colour palettes of Otl Aicher.
Absolute sharpness, reduction and strict rules determine the character of his pictures: Otl Aicher as photographer.
Under Otl Aicher’s direction, designers, architects and landscape planners shaped the face of the Olympic Games 1972.
Inge Aicher-Scholl preserved the legacy of the White Rose.
From O to R: Let’s talk about a hedgehog, standardisation and neurotis for a change (please click on the letters).
Sie schufen die Signatur einer Epoche: die Gestalter Otl Aicher, Willy Fleckhaus, Anton Stankowski und Kurt Weidemann.
Reflections on Inge Aicher-Scholl and Otl Aicher.
Eine Stadt leuchtet: Mit seinem farbenfrohen Erscheinungsbild der XX. Olympischen Sommerspiele 1972 setzte Otl Aicher ein Signal. Die junge Bundesrepublik war in der Moderne angekommen.
Otl Aicher’s Poster displays for the Ulmer Volkshochschule (Ulm Adult Education Centre).
Was ist aus Otl Aichers einstigem Domizil geworden? Ein Ortsbesuch im Allgäu.
Otl Aicher’s Dept. XI team: the visual identity of the Munich ’72 Olympics was the work of graphic designers, illustrators and technical staff from all over the world.
Aicher’s childhood and youth: the years 1922 to 1945.
Otl Aicher’s signage systems for airports, metro stations and hospitals are considered exemplary to this day.
Was ist aus Otl Aichers einstigem Domizil geworden? Ein Ortsbesuch im Allgäu.
A Broadcast: What is his place in today’s world?
The Aichers: a brief family history.
Drawing in Rotis: former Aicher co-worker Reinfriede Bettrich talks about hand sketches, the first computers and everyday life at the office.
Die Küche zum Kochen (The Kitchen for Cooking) – the genesis of a book that has lost none of its relevance.
How Otl Aicher’s papers and materials came to the HfG-Archiv/Museum Ulm.
How a dachshund conquered the world: former Aicher staff member Elena Schwaiger on plush animals, fakes and the authentic mascot of the 1972 Olympic Games in Munich.
Le Violon d’Ingres or An Attempt to Defend the Writings of Otl Aicher.
Otl Aicher as the architect of Rotis.
Otl Aicher and his critique of the automobile.
First broadcast: 15.02.1971 on Bayerischer Rundfunk, Munich (Only available in German).
Interviewed: Jürgen Werner Braun on his collaboration with Otl Aicher.
An interview with design icon Stefan Sagmeister about typefaces, beauty and the legacy of Otl Aicher.
Der einstige Braun-Chef-Designer im Gespräch über den Co-Gründer der Ulmer HfG.
Isny im Allgäu owes Otl Aicher a corporate design that is concise, bold and singular.
They created the signature of an epoch: designers Otl Aicher, Willy Fleckhaus, Anton Stankowski and Kurt Weidemann.
The International Design Center Berlin (IDZ) invites you to a slide show and panel talk at Architektur Galerie Berlin on 20 October. Karsten de Riese and Prof. Michael Klar will report on a photo reportage commissioned by BMW that took them to Tunisia in 1975 together...
On the occasion of the 50th anniversary of the 1972 Olympic Games, the IDZ invites you to a discussion on the vision of the Munich Games and the status quo as well as the future of the Olympic movement on 26 August. The event at Berlin’s Akademie der Künste on Pariser...
With a retrospective of Otl Aicher’s book “kritik am auto – schwierige verteidigung des autos gegen seine anbeter” (Criticism of the Car – Difficult Defence of the Car against its Worshippers) published in 1984, the IDZ continues its series of events on the “otl...
Today marks the centenary of Otl Aicher’s birth. The International Design Center Berlin (IDZ) is taking this date as an opportunity to pay tribute to this great designer. With otlaicher100.de, a new online platform is being launched – a curated space that provides...
The International Design Center Berlin (IDZ) is taking Otl Aicher’s centenary as an opportunity to pay tribute to this great designer and to make his work visible. An online platform and a series of events will address Otl Aicher’s multifaceted cosmos of topics and...
Sie schufen die Signatur einer Epoche: die Gestalter Otl Aicher, Willy Fleckhaus, Anton Stankowski und Kurt Weidemann.
Sie schufen die Signatur einer Epoche: die Gestalter Otl Aicher, Willy Fleckhaus, Anton Stankowski und Kurt Weidemann.
Sie schufen die Signatur einer Epoche: die Gestalter Otl Aicher, Willy Fleckhaus, Anton Stankowski und Kurt Weidemann.
Auf verschlungene Wege gerät, wer verfolgt, wie Aicher sich der Welt bemächtigt: Florian Aicher machte sich auf die Suche nach der lange verschollenen Aicher-Büste – und wurde fündig.
Zum ersten Mal bekam ich sie in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre zu Gesicht. Meine Mutter nahm mich mit in Otl Aichers mir bis dato unbekanntes Refugium in München: eine kleine Wohnung in Rufweite der Akademie, von der so gut wie niemand wusste. Und da stand sie: die fertige Büste, ein Selbstportrait. Das erste Werk plastischer Kunst aus seinen Händen, das mir vor Augen kam.
Kunst?
Das Erstaunen war nicht gering, hatte er doch in unzähligen Gesprächen auseinandergesetzt, dass die Kunst tot sei, dass er sie seit seinem kurzen Studium 1946 an der Münchner Akademie verworfen habe. „kunst ist das nicht verstehbare“1, hatte er erst wenige Jahre zuvor erklärt und vierzig Jahre davor, sie sei „ranzig“2 geworden.
Ein halbes Jahr nach der Hinrichtung seiner Freunde Sophie und Hans Scholl hatte er beschlossen, Bildhauerei zu studieren3 – die plastischste der Künste (lässt man Architektur außen vor). Umgehend widmete er dem Urbild des Bildhauers, Michelangelo, seitenlange Erörterungen. Nach kurzer Zeit an der Akademie befand er freilich, dort nichts mehr lernen zu können. Er habe bald, so erzählte er, seinen eigenen Stil gefunden – die Bearbeitung des noch feuchten Tons mit einer Dachlatte.
Doch welch umstürzende Ereignisse seit dem Entschluss von 1943! Das NS-Regime ist beseitigt, seine Geburtsstadt liegt in Schutt und Asche, aus der Tabula rasa soll Neues entstehen. Mit Inge Scholl4 und Freunden prägt er das neue Ulm, gestaltet Plakate für die Volkshochschule. Nun gilt: „Schönheit in der gepflegten Sachlichkeit und Durchsichtigkeit der Zwecke“5. Im Hintergrund bleibt das Idol: „der motor, die erregung seiner freude, die düfte der zeit und der welt, wie sie heute ist.“6
Portrait Otl Aicher von Karsten de Riese. © Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv / Karsten de Riese
Cover ARCH+, April 1989. Foto: Tim Rautert bearbeitet von Dieter Masuhr.
Portrait Otl Aicher von Karsten de Riese. © Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv / Karsten de Riese
Otl Aicher, Selbstportrait. Skizze aus: otl aicher schreiben und widersprechen, Berlin 1993, S. 137.
Verbleib?
Mittelpunkt der zweiten Hälfte seines Schaffenslebens bildet der Ort Rotis, wo er seinen systematischen Gestaltungsansatz demonstriert7. Abseits dieses Kabinettstücks, hinter zunehmend dichterer Hecke, liegt ein Garten, später um einen „Geräteschuppen“ ergänzt. Es hat einige Jahre gebraucht, bis ich ihn entdeckte und dann fand: Die Hälfte barg Gartengerät, die andere Hälfte ein klandestines Atelier, wo er an Büsten von Sophie und Hans Scholl arbeitete.
Kurz vor seinem tödlichen Unfall waren die beiden Köpfe in Ton fertig.8 Nach dem Tod wurde die Kunstgießerei Niedermeier am Gollierplatz in München mit je zwei Abgüssen beauftragt. Eine Fassung ging im Zuge der Überlassung seines Nachlasses an die Stadt Ulm, die andere gelangte in den privaten Bestand von Inge Aicher-Scholl – ebenso wie die Büste ihres Mannes nach Auflösung der Münchner Adresse.
Bei den Recherchen zur Website „Otl Aicher 100“ kam die Rede auch auf die Otl-Aicher-Büste. Doch niemand konnte zum Verbleib etwas sagen – weder das HfG-Archiv noch die Familie. Eines Tages dehnte ich die Recherche auf den Nachlass von Inge Aicher-Scholl aus und erhielt vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ) die Auskunft, es existiere dort eine dritte Büste. „Alexander Klotz, der den Bestand maßgeblich erschlossen hat, nimmt mit hoher Wahrscheinlichkeit an, dass es sich um Robert Scholl handelt. Falls Sie anderer Meinung sind, sind wir für Hinweise natürlich dankbar. Die Büste war, wie auch die beiden anderen Büsten, Teil des dem IfZ 2002 von Manuel Aicher übereigneten Nachlass- und Sammlungsbestandes ‚Weiße Rose/Inge Aicher-Scholl‘ (heute Bestand ED 474).“9 Großzügig räumte das Institut dem Fotografen Stefan Ibele und mir einen Termin ein und stellte Räumlichkeiten zur Verfügung, um die Büste abzulichten. Damit wird sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.
Büste Selbstportrait Otl Aicher, Bronze; Foto: Stefan Ibele, Rotis, Februar 2023; Standort Institut für Zeitgeschichte, München.
Büste Selbstportrait Otl Aicher, Bronze; Foto: Stefan Ibele, Rotis, Februar 2023; Standort Institut für Zeitgeschichte, München.
Foto: Stefan Ibele, Rotis, Februar 2023; Standort Institut für Zeitgeschichte, München.
Realistisch?
Die Identifizierung der Büste fiel nicht schwer. Sie gibt ihren Schöpfer fast realistisch wieder. Mehr noch: Sie zeigt ihn in einer Pose, die er in skizzierten Selbstportraits10 wählt und die man von Fotografien der 1980er Jahre11 kennt.
Einige dieser Fotos lagen dem Kollegen und Lehrer der Fotografie, Thomas Lüttge, vor. Er bemerkt: „Der gesamte Ausdruck von Kopfhaltung, Mundpartie und Gestik der Hände sind voller Kraft und deutlicher Formensprache. Nur die Augen bleiben fern gerichtet. Bedeutsam ist, was er mit dem Mund und der gesamten Mundpartie eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Jedes Mal anders und neu erscheinen dort alle Arten von menschlicher Vitalkraft: Mut, Kühnheit, Wille, Anspruch, Ausgelassenheit und Durchsetzungskraft, auch Hybris, Eitelkeit, Humor und Stolz, dann auch Sinnlichkeit, Begeisterung, Verlegenheit, Genuss und vieles mehr. Das Verhältnis von unterer zu oberer Gesichtspartie sagt etwas über die Bedingungen eines Menschen aus. In den Bildern von Otl Aicher erlebe ich zwischen oberem und unterem Bereich ein besonderes Spannungsfeld, einen Moment des Ausgleichs seiner widersprüchlichen Kräfte, auch als Tragik seines Lebens.“12
Vergeistigung, verdeutlicht durch die geschlossenen Augen, und Machtbewusstsein, ausgedrückt durch das vorgereckte Kinn – ein merkwürdiger Kontrast, der die Bildnisse der 1980er Jahre durchzieht. Wer Otl Aicher in diesen Jahren erlebt hat, kennt ihn meist anders. Doch für ihn zählt: Die Welt als Entwurf.13 Er skizziert, modelliert sich als Macher – entrückt, entschlossen, leidgeprüft. Bemerkenswert, wie sehr diese Pose sogar in manches Bild des „Abbild-Mediums“ Fotografie Eingang findet. Und doch: Diese Ikone ist Fragment. Hans C. Conrads Fotos der 1950er Jahre etwa zeigen es.14
Entrückt, entschlossen, leidgeprüft: wie Aicher sich selbst sah. Foto: Stefan Ibele, Rotis, Februar 2023; Standort Institut für Zeitgeschichte, München.
Entrückt, entschlossen, leidgeprüft: wie Aicher sich selbst sah. Foto: Stefan Ibele, Rotis, Februar 2023; Standort Institut für Zeitgeschichte, München.
Foto: Stefan Ibele, Rotis, Februar 2023; Standort Institut für Zeitgeschichte, München.
Büste Selbstportrait Otl Aicher, Bronze; Foto: Stefan Ibele, Rotis, Februar 2023; Standort Institut für Zeitgeschichte, München.
Florian Aicher, *1954 in Ulm, ältester Sohn von Otl Aicher, Studium der Architektur an der Staatsbauschule Stuttgart, Praktikum in Buffalo/USA, dann drei Jahre Berufspraxis bei Werner Wirsing, München. Ab 1981 selbständig; neben Planung im Bereich Hochbau, Entwurf von Möbeln, Lehrtätigkeit an Hochschulen in Deutschland und Österreich; zuletzt an der Fachhochschule Kärnten. Journalistische Tätigkeit. Veröffentlichungen in internationalen Zeitschriften und Büchern, zahlreiche Publikationen zu den Bedingungen für das Gelingen von Architektur. Lebt seit 2005 in Rotis, Allgäu.
Interviewed: Jürgen Werner Braun on his collaboration with Otl Aicher.
Sie schufen die Signatur einer Epoche: die Gestalter Otl Aicher, Willy Fleckhaus, Anton Stankowski und Kurt Weidemann.