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Ausstellungen

Ausstellungsplakat Otl Aicher 100 Jahre 100 Plakate Hfg Archiv

Museum Ulm/HfG-Archiv, bis zum 8. Januar 2023

Zum Hundertsten: Aichers Plakate aus fünf Jahrzehnten

„Otl Aicher 100 Jahre 100 Plakate“ ist der Titel einer Ausstellung, die in den Räumen des HfG-Archivs auf dem Ulmer Kuhberg gezeigt wird, sie läuft bereits seit Ende März. Dort befindet sich der Nachlass des Gestalters, den das Museum Ulm/HfG-Archiv pflegen und aufarbeiten, inzwischen ist er in einem Findbuch dokumentiert. Die Schau widmet sich einem zentralen Werkkomplex. Beginnend 1945 schuf Aicher autodidaktisch Plakate zunächst für eine Vortragsreihe von Theologen und Schriftstellern, die er inmitten des kriegszerstörten Ulm organisierte. Zu den reinen Textplakaten fügte er bald weitere gestalterische Elemente hinzu. Aus dieser Reihe entstanden Grundlagen der Ulmer Volkshochschule (vh), die von Inge Scholl geleitet, ein einzigartiges und anspruchsvolle Programm entwickelte, für das Aicher die Plakate schuf. Dafür nutzte er ein schmales Hochformat. Spezielle auf dieses Format abgestimmte, ebenfalls von ihm entworfene Stelen, kündeten in zunehmend moderner Bildsprache vom Programm der Volkshochschule. Aicher ging vom per Druck vervielfältigten Unikat über, zum seriell konzipierten Kommunikationsmittel. Neben frühen Beispielen werden etwa Plakate von Aichers wohl bedeutendstem Teamprojekt gezeigt, der ganzheitlichen Gestaltung der Olympischen Spiele 1972 in München. Ebenso sind seine Aushänge für unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen, für politische Anlässe und für Unternehmen zu sehen. Sie belegen eindrücklich die Vielfältigkeit seines grafischen Schaffens und seiner thematischen Interessen. Während der Laufzeit der Ausstellung werden in speziellen Vitrinen im monatlichen Wechsel einzelne Aspekte in den Blick genommen, die den Fotografen, Architekten und Möbelgestalter Aicher erlebbar werden lassen.

„Otl Aicher 100 Jahre 100 Plakate“
HfG-Archiv / Museum Ulm
Am Hochsträß 8, 89081 Ulm

Museum Ulm/HfG-Archiv, vom 12. November 2022 bis 16. März 2022

An zwei Orten: Protestformen in Kunst und Design

Mit der Ausstellung „Otl Aicher 100: Form und Widerstand“ spüren Museum Ulm und HfG-Archiv visuellen Gestaltungsformen von Protestbewegungen nach. Die Schau findet an zwei Orten statt: Ein Teil wird im Museum am Marktplatz, der andere im HfG-Archiv auf dem Kuhberg gezeigt. Aichers Werk ist dabei verschränkt mit zeitgenössischen gesellschaftskritischen Positionen. Vor diesem Hintergrund wird auch die Frage nach der Aktualität von Werk und Wirkung des 1991 verstorbenen Grafikers diskutiert. Bereits als Jugendlicher widersetzte sich Aicher gegen die Vereinnahmung durch das NS-Regime. Da er nicht in die Hitlerjugend eintrat, wurde ihm das Abitur verweigert. „Seine politische Haltung grundierte sein gesamtes Werk,“ betonen die Ausstellungsmacherinnen und -macher. Seit den Sechzigerjahren Jahren entwarf Aicher Logos und Plakate nicht nur für Unternehmen, sondern immer wieder auch für politische Widerstands- und Protestgruppen.

In einem ersten Ausstellungsteil führt die Ulmer Schau des HfG Archivs in Aichers Werk ein, das Museum Ulm stellt ihm zeitgenössische Positionen gegenüber. Mit den dort gezeigten oftmals großflächigen, für den öffentlichen Raum konzipierten Arbeiten protestieren Fotografen, Installationskünstlerinnen, Street Artists und Grafiker mit künstlerischen Mitteln gegen Diskriminierung, Gewalt oder übermäßigen Konsum. Gezeigt werden Werke des Streetart-Künstlers Robin Rhode zu Identitätsfragen in Südafrika, die „Wear-a-mask“-Kampagne des Grafikers Norma Bar zu Solidarität in der Pandemie sowie Leuchtinstallationen der Konzeptkünstlerin Jenny Holzer, die Gewalt gegen Frauen thematisieren. Die Plakate der US-amerikanischen Konzeptkünstlerin Barbara Kruger betrachten soziopolitische Fragen aus feministischer und konsumkritischer Sicht. Eine Auswahl ihrer Werke wird in der Ulmer Innenstadt zu sehen sein. Im Open Call lud das Museum Ulm dazu ein, weitere zeitgenössische Gestaltungsformen des Protests zu dokumentieren, die online gezeigt werden. kte

„Otl Aicher 100: Form und Widerstand – Zwischen Typographie und Protest“
HfG-Archiv / Museum Ulm
HfG-Archiv, Ulm Kuhberg, Am Hochsträß 8, und Museum Ulm, Marktplatz 9, 89073 Ulm

Otl Aicher, Plakat „Hürdenlauf“ Olympische Spiele München, 1972, Bröhan-Museum, Berlin

Bröhan-Museum, Berlin, 25. August bis 31. Oktober 2022

Berlin erinnert an München: Exponate der Olympischen Spiele

Für Otl Aicher waren die Olympischen Spiele von 1936 die Negativfolie für Gestaltung jener als heiter konzipierten Spiele, die ihm für München vorschwebten. Er erkannte, mit welcher Qualität dort gearbeitet wurde, auch wenn er das Resulat radikal ablehnte. Berlin hatte noch während der Weimarer Republik den Zuschlag bekommen, die Spiele auszurichten. Auch Kunst und Gestaltung bezog der NS-Staat ein, um seine totale Herrschaft zu festigen und propagandistisch unter Beweis zu stellen. Doch Aicher begriff im Zusammenspiel mit NOK-Präsident Willi Daume, als er 1967 Gestaltungsbeauftragter der Olympiade wurde, welches Potenzial ganzheitlich gestaltete Spiele für die junge Bundesrepublik boten.

So sollten seine Entwürfe für München 1972 Offenheit sichtbar und erlebbar machen: Das von ihm ausgewählte Gestaltungsteam – junge Frauen und Männer, meist am Beginn ihrer Karriere – schuf ein vielseitiges Kommunikationsangebot. Es richtete sich an Olympia-Gäste, an Sportlerinnen und Sportler wie an Münchner Stadtbewohner. Damit trug Aicher maßgeblich zur Modernisierung Münchens wie zum Imagewandel Bayerns bei. Piktogramme, die Aicher nicht erfand, aber doch systematisierte, setzten sich bald auch im Kontext von Flughäfen oder Metrosystemen durch, erst recht, wenn er deren Design selbst entwarf.

Münchens Wegleitsysteme blieben, wie auch die temporären Olympia-Installationen in der Stadt, meist Besuchern der Spiele vorbehalten. Doch Sammler und Institutionen bewahren von München ’72 wertvolle gestalterische Zeugnisse, die nicht ortsgebunden sind. Dazu gehören die großen Siebdruck-Plakate zu den einzelnen Sportarten. Für jedes einzelne schufen die Gestalter eine überzeugende Verbindung aus Fotografie und Illustration.

Nun zeigt das Bröhan Museum, geleitet vom gebürtigen Münchner Tobias Hoffmann, in seiner Blackbox-Reihe die Ausstellung „Otl Aicher und die Olympischen Spiele 1972“. Zu sehen sind etwa 100 Exponate, die hauptsächlich aus einer privaten Sammlung, zum Teil aber auch aus dem Bestand des Museums stammen. Unter den gezeigten Objekten finden sich Originalplakate, aber auch Kleidungsstücke wie Hostessen-Uniformen oder Dirndl. Wer das Design von „München 1972“ erleben möchte, sollte daher nach Berlin reisen. kte

Otl Aicher und die Olympischen Spiele 1972, Blackbox #11.
Bröhan-Museum
Schlossstraße 1a, 14059 Berlin

Detmold, Lippisches Landesmuseum, 18. Mai bis 28. August 2022

Detmolder Perspektive: Studenten stellen Aicher aus

Aus der Zusammenarbeit mit Otl Aicher entstanden ab den 1980er Jahren für FSB ein neues systematisch entwickeltes Erscheinungsbild sowie eine Publikationsreihe. Im Austausch zwischen dem damaligen Geschäftsführer von FSB Jürgen Werner Braun und Aicher wurden nicht nur die Türdrücker des Herstellers aus Brakel zum Thema Greifen. Der Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen fördert nun eine Reihe von Hochschulprojekten, die sich mit Aichers Thesen und Ideen befassen. Eines der ersten Resultate ist Ausstellung: „Otl Aicher – piktogramm, schrift, logo“ im Lippischen Landesmuseum Detmold. Leben und Werk des Grafikers und Publizisten, werden dabei aus der Perspektive von neun Studierenden und drei Professoren zweier Fachbereiche der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) dargestellt.

Neben dem Wegbereiter des Corporate Designs wird in Detmold Aicher auch als politisch aktiver, streitbarer Bürger thematisiert. Die kleine Schau ist als Wanderausstellung konzipiert, weitere Stationen sind geplant.

Lippisches Landesmuseum Detmold
Ameide 4, 32756 Detmold

otl aicher 100 | Ausstellungen

Kurpark Isny, 21. Mai bis Oktober 2022

Bildzeichen im Park: begehbarers „aichermagazin“

Unter dem Motto isnyaicher22 erinnert die Stadt Isny im Allgäu an die Entstehung des schwarzweißen Erscheinungsbilds der Stadt, das Aicher in den 1970er Jahren schuf und das im Stadtmarketing bis heute genutzt wird. Im Isnyer Kurpark entsteht ein temporärer Ausstellungsbau namens „aichermagazin“. Dort zeichnen die Kuratorinnen Monika Schnell und Renate Breuß die Verbindung zwischen Stadt und Gestalter nach. Im Außenraum werden Aichers Bildzeichen gezeigt, die Stadt und Region thematisieren. Dazu passend können per eigenem Smartphone und QR-Code Geschichten orts- und fachkundiger Menschen abgerufen werden, die von Tradition und Handwerk, von Landschaft und Natur erzählen und über den Alltag einiger Isnyer berichten. „Aichers Bildzeichen sind Teil des kulturellen Erbes der Stadt Isny,“ sagt Renate Breuß, „wie die historischen Bauten auch. Die Bildzeichen selbst wie deren Zeichenfundus dürfen nicht verändert werden, dennoch meint Breuß, die früher als Geschäftsführerin des „Werkraum Bregenzerwald“ tätig war, liege „viel Potenzial und Dynamik in der Zusammenstellung,“ denn Aichers Erbe sei „nicht als Dogma zu verstehen.“ Eine Galerie, ein geschlossener Raum kam zur Präsentation nicht in Frage, stellt Karin Konrad vom Isny Stadtmarketing fest, „Die Ausstellung muss mitten hinein in die Stadt,“ sagt sie, „zu den Menschen, für die er das einzigartige Erscheinungsbild geschaffen hat.“

Im Innenraum des Pavillons geht es um Leben und Werk Aichers. Texte und Fotos befassen sich auch mit Rotis, jenem rund 20 Kilometer nördlich von Isny gelegenen Ort, an dem Aicher lebte und arbeitete. Deutlich werden soll Aichers „feldforschende Herangehensweise“, die sein Denken und Machen prägte – auch in der Arbeit für Isny. Das aichermagazin ist rund um die Uhr kostenlos zugänglich. Ein ergänzendes Rahmenprogramm thematisiert den Schriftstellers Günter Herburger (1932–2018), mit dem Aicher zusammenarbeitete und der vor 90 Jahren in Isny geboren wurde.

aichermagazin
Kurpark Isny
Unterer Grabenweg 18, 88316 Isny im Allgäu
rund um die Uhr frei zugänglich