#

„Anfangs war ich für Aicher Luft“

Der einstige Braun-Chef-Designer im Gespräch über den Co-Gründer der Ulmer HfG

Industriedesigner im Dialog: Fritz Frenkler und Dieter Rams (rechts).

Was verbindet Dieter Rams und Otl Aicher? Fritz Frenkler spricht mit dem berühmten Designer über seine Besuche in Rotis, über seine intensive Zusammenarbeit mit Hans Gugelot und die Beziehung der Unternehmer Artur und Erwin Braun zur Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG). Ebenfalls anwesend: Klaus Klemp (Vorstand der Dieter und Ingeborg Rams-Stiftung, Professor für Designgeschichte), der gelegentlich das Gespräch ergänzt.

Dieter, wir wollen heute über Otl Aicher sprechen: Deine Erfahrungen mit ihm und wie du ihn kennengelernt hast. Beginnen wir mit Ulm. Die Firma Braun und die Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm werden immer in einem Atemzug genannt. Wie oft warst du in Ulm?

Dieter Rams: Ganz zu Anfang hat mich Braun dort hingeschickt, um Hans Gugelot1 den Plexiglasdeckel des SK 42 vorzustellen, damit er das Design abnickte. Gugelot, der in Ulm lehrte, und ich haben uns immer gut verstanden. Wir diskutierten auch über das Holz des SK 4. Er wählte Ahorn, da er helles Holz liebte, ich war mehr für die Weißbuche; aber das waren Kleinigkeiten. Durch ihn bin ich übrigens überhaupt zu Braun gekommen. Gugelot hat wohl für mich gestimmt, als sie einen Architekten suchten und die Bewerbungen begutachteten. Es war für mich durchaus ein Glücksfall, dass ich bei Braun gelandet bin.

Die Skala des SK 4 ist ein Entwurf von Otl Aicher, der dafür die „Akzidenz Grotesk“ einsetzte. Für die Beschriftung der Geräte wurde der Font „Nobel“ genutzt, eine geometrische Serifenlose von Sjoerd Hendrik de Roos und Dick Dooijes, die 1929 bei der Lettergieterij Amsterdam erschien.

Die Skala des SK 4 ist ein Entwurf von Otl Aicher, der dafür die „Akzidenz Grotesk“ einsetzte. Für die Beschriftung der Geräte wurde der Font „Nobel“ genutzt, eine geometrische Serifenlose von Sjoerd Hendrik de Roos und Dick Dooijes, die 1929 bei der Lettergieterij Amsterdam erschien.

Aber wie bist du überhaupt zum Design gekommen? Du hast doch als Architekt bei Braun angefangen?

Dieter Rams: Eigentlich wollte ich Architekt bleiben. Städtebau hat mich fasziniert. Ich hatte ja auch schon zwei Jahre im Architekturbüro von Otto Apel in Frankfurt gearbeitet. Erwin Braun suchte damals einen Architekten. Ich erhielt die Stelle, um die ich mich nur durch eine Wette mit einem Kollegen bei Apel beworben hatte. Erwin Braun zeigte mir erste Designmodelle von Hans Gugelot, die bei der Funkausstellung 1955 in Düsseldorf3 präsentiert werden sollten. Sie waren eigentlich noch nicht fertig, und es ging dabei eher um ein Re-Design bestehender Produkte mit vorhandener Technik.

Dieter Rams im Arbeitszimmer seines Kronberger Hauses während des Gesprächs. Foto: Fritz-Frenkler

Also hast du gleich mit dem Designer Hans Gugelot zu tun gehabt. Und deine Beziehung zu Otl Aicher, wie hat sich die entwickelt?

Dieter Rams: In der Anfangszeit hat Aicher mich gar nicht wahrgenommen; wie auch Max Bill, der eigentliche Herrscher der frühen HfG. Für beide war ich Luft. Das konnte Max Bill sehr gut, einen nicht wahrzunehmen. Otl Aicher war da subtiler. Aber auch er hat mich kaum beachtet. Von den vielen Gesprächen mit den Ulmern über Gestaltung habe ich zu meiner Anfangszeit bei Braun wenig mitbekommen. Das hat man mir – bewusst oder unbewusst – vorenthalten. Aber ich habe verstanden, dass die auf einer anderen Ebene miteinander sprachen. Das war der enge Kontakt der Brüder Erwin und Artur Braun sowie Fritz Eichler4 zu Ulm.

Der junge Dieter Rams im Jahr 1953. Foto: Dieter und Ingeborg Rams Stiftung

Der junge Dieter Rams im Jahr 1953. Foto: Dieter und Ingeborg Rams Stiftung

Und wie lief es zwischen Erwin Braun und den Ulmern?

Dieter Rams: Erwin Braun war sehr interessiert an Hans Gugelot und hat die HfG mit großzügigen Spenden bedacht. So hatte er natürlich einen engen Bezug zu Ulm. Er hat auch das spätere Gugelot-Institut mitfinanziert …

… diese beiden schwarzen Häuser an der Ulmer Einfahrt …

Dieter Rams: … genau. Hans Gugelot baute eine Designabteilung auf, die für meine Begriffe etwas überzogen war. Später bezog sie ein neues Gebäude in Ulm mit zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Aus seiner kleinen Entwicklungsgruppe II an der Ulmer HfG entstand das Gugelot-Institut und später das Unternehmen Gugelot Design – zeitweilig das größte europäische Designbüro. War das – was die Anzahl der Mitarbeiter betrifft – überzogen?

Dieter Rams: Nein. Aber eine Designabteilung braucht kein eigenes Schwimmbad!

Aber Erwin Braun hatte doch auch eine gute Beziehung zu Gugelots Frau Malke, die zunächst eng mit Inge Aicher-Scholl zusammenarbeitete und dann nach Gugelots Tod das Designbüro am Laufen hielt.

Dieter Rams: Malke Gugelot war eine tolle Frau. Ich weiß noch, dass ich bei den Festen, die sie gaben – Gugelot spielte immer Gitarre (lacht) –, mit seiner Frau tanzte, was ich sehr genoss. Nur Otl Aicher hat weiter an mir vorbeigeschaut.

Hans Gugelot in Ulm. © Guus Gugelot, Privatarchiv Gugelot, Hamburg

Otl Aicher bei Braun, Fritz Eichler (links) und C.C. Cobarg, Leiter des Zentrallabors bei Braun (rechts). © Braun Archiv Kronberg

Hans Gugelot in Ulm. © Guus Gugelot, Privatarchiv Gugelot, Hamburg

Otl Aicher bei Braun, Fritz Eichler (links) und C.C. Cobarg, Leiter des Zentrallabors bei Braun (rechts). © Braun Archiv Kronberg

Wie war überhaupt die Beziehung zwischen der HfG Ulm und Braun? Max Bill, der einstige Mitgründer und erste Rektor der HfG, taucht doch nirgends auf in der Geschichte von Braun.

Dieter Rams: Max Bill war nicht in das Braun-Projekt involviert. Vielleicht schien es ihm am Anfang auch zu klein zu sein. Er hatte ja andere lukrative Auftraggeber. 1957 hatte er die Schule bereits wieder verlassen. Aber als Walter Gropius im Oktober 1955 aus den Vereinigten Staaten zur Eröffnung der HfG Ulm kam, zeigte er ihm alle Braun-Geräte. Später haben sie mich in Ulm nicht genannt, obwohl ich beim SK 4 von Anfang dabei war und die Grund-Disposition und die transparente Acrylglas-Abdeckung von uns in Frankfurt entwickelt worden war. Ulm hat mich negiert. Das hielt sich über das Ende der Hochschule hinaus, als ich mit Dr. Godehard Günther und seiner Firma analog digital systems, kurz a/d/s/, versuchte, den Hifi-Bereich von Braun neu aufzubauen.

Umschlag der Zeitschrift „ulm“ (1962) mit Braun-Produkten, unter anderem dem Hifi-Steuergerät Studio 1, Entwurf: Hans Gugelot und Herbert Lindinger, 1957.

Umschlag der Zeitschrift „ulm“ (1962) mit Braun-Produkten, unter anderem dem Hifi-Steuergerät Studio 1, Entwurf: Hans Gugelot und Herbert Lindinger, 1957.

Otl Aicher unterrichtet, Mitte der Fünfzigerjahre. Foto: Wolfgang Siol, HfG-Archiv / Museum Ulm

Otl Aicher unterrichtet, Mitte der Fünfzigerjahre. Foto: Wolfgang Siol, HfG-Archiv / Museum Ulm

Die US-amerikanische Firma „a/d/s/“ mit Godehard Günther an der Spitze übernahm 1981 die Braun-Hifi-Sparte. Aber was hatte Otl Aicher damit zu tun?

Klaus Klemp: Er hat in den Achtzigerjahren das Typo-Logo a/d/s/, also die Wortmarke, das visuelle Erscheinungsbild sowie Prospekte gestaltet.

Dieter Rams: Ich kannte natürlich Aichers Arbeit für ERCO. Das war faszinierend. Anfangs wollte ich Otl Aicher für eine engere Zusammenarbeit mit a/d/s/ gewinnen. Aber eine intensivere Zusammenarbeit kam nicht zustande, weil Dr. Godehard Günther nicht so gläubig ihm gegenüber war. Aber ich war mehrfach in Rotis.

Klaus Klemp: Otl Aicher hat doch Prospekte für a/d/s/ gemacht.

Dieter Rams: Das schon, aber genaues weiß ich nicht. Da kam dann mehr der Werber Thomas Feicht mit seiner Frankfurter Agentur Trust ins Spiel, der viel für Braun machte. Günther brauchte jemanden, der verkaufen konnte; er war vor allem ein hervorragender Ingenieur. Bei Braun wurde aber vieles nicht mehr richtig ernst genommen. Auch nicht meine Bemühungen, mithilfe von Albrecht Schultz den Nachfolger des T 1000 Weltempfängers zu entwickeln. Immerhin war Schultz ab 1976 stellvertretender Vorstandsvorsitzender, hatte also Einfluss.

Gehen wir nochmals kurz zurück in die Historie von Braun. Der einstige Bauhaus-Schüler Herbert Hirche hat ja wohl mit seinem Fernseh-Musikschrank HFK 1956 den ersten Design-Entwurf im Bereich Audio-Video gemacht.

Dieter Rams: Nein, das war Hans Gugelot. Im Dezember 1954 war Erwin in Ulm. Als das HfG-Gebäude noch im Rohbau war, traf er Inge Aicher-Scholl, die wiederum Otl Aicher dazu zog, und Hans Gugelot. Noch im Dezember erhielten sie den Auftrag, ein Radiogerät zu entwerfen. Und dies haben sie Anfang 1955 auch gemacht. Etwas später kamen ein Plattenspieler und ein Fernsehgerät dazu.

Unterwegs in Sachen Braun: Notiz von Aicher zu ersten Arbeitsschritten. © Hartmut Jatzke-Wigand, Design + Text, Hamburg

Unterwegs in Sachen Braun: Notiz von Aicher zu ersten Arbeitsschritten. © Hartmut Jatzke-Wigand, Design + Text, Hamburg

Briefe an Braun: Otl Aicher erinnert sich. © Hartmut Jatzke-Wigand, Design + Text, Hamburg

Briefe an Braun: Otl Aicher erinnert sich. © Hartmut Jatzke-Wigand, Design + Text, Hamburg

In dieser modifizierten Form wurde der Braun-Exporter dann 1956 verkauft. Entwurf: Otl Aicher und HfG Ulm.

In dieser modifizierten Form wurde der Braun-Exporter dann 1956 verkauft. Entwurf: Otl Aicher und HfG Ulm.

Ein erster moderner Entwurf des Exporters stammt – wenn man der Bildbeschriftung von Hans G. Conrad folgt – von Otl Aicher, der auch den Braun-Schriftzug für dieses Modell überarbeitete. Das Foto wurde von Conrad am 2. Juni 1955 aufgenommen. © René Spitz

Wann kam Hirche ins Spiel?

Herbert Hirche wurde von Erwin Braun im Sommer 1955, kurz vor der Ausstellung in Düsseldorf, angeschrieben, ob er bei Braun mitarbeiten wolle – was er ab 1956 auch tat.

Wie kam Erwin Braun auf Herbert Hirche, wenn sie schon Gugelot hatten? Hirche kennt man ja vor allem als Entwerfer von Systemmöbeln …

Klaus Klemp: Erwin Braun fuhr eine Mehrfach-Strategie: Die Ulmer sollten das experimentelle Neue liefern; die Designer im Haus hingegen etwas Neues mit den Technikern entwickeln. Hirche wiederum sollte Tonmöbel unter anderem für den WK-Verband entwerfen.

Dieter Rams: Erwin Braun hatte auch mich gebeten, etwas zu Tonmöbeln zu machen, angeregt durch seine Verbindung zum „wohnbedarf zürich“5, den er sehr geschätzt hat. Er wollte zunächst zwei Säulen haben beim neuen Radio-Design, angelehnt an Möbel. Aber ich war nicht der richtige Mann für Tonmöbel. Ich fand die Auseinandersetzung mit den Technikern sehr viel interessanter, um ganz neue Konzepte zu verwirklichen.

„Aicher habe ich nie als meinen Weisungsgeber angesehen. Aber Hans Gugelot war wie ich, er hat die Dinge genauer angesehen.“

Allein das Wort „Tonmöbel“ war ja bezeichnend für die Zeit.

Dieter Rams: Ja. Damals wollten viele Menschen ihre technischen Geräte in Möbeln verstecken. Die Verbindung zu Amerika war maßgeblich, zu Ray und Charles Eames und zu Knoll International mit Eero Saarinen; sie zeigten neue Wege. Die ersten Braun-Entwürfe sorgten dann auf der Messe in Düsseldorf für Furore. So entstand ein noch engerer Zusammenschluss mit den Ulmern, also auch mit Otl Aicher, während Erwin Braun immer zu Gugelot tendierte.

Das modulare Ausstellungssystem d55 von Aicher und Conrad ist angelegt auf ein Raster von 3x3 Metern. Mithilfe einer Steckverbindung konnte der Messestand im Sinne eines Baukastensystems rasch aufgebaut und an unterschiedliche räumliche Voraussetzungen angepasst werden. Foto © Braun Archiv, Kronberg

Das modulare Ausstellungssystem d55 von Aicher und Conrad ist angelegt auf ein Raster von 3x3 Metern. Mithilfe einer Steckverbindung konnte der Messestand im Sinne eines Baukastensystems rasch aufgebaut und an unterschiedliche räumliche Voraussetzungen angepasst werden. Foto © Braun Archiv, Kronberg

Das Ausstellungssystem d55 wurde von der Firma Braun erstmals in Düsseldorf 1955 und anschließend zwei Jahrzehnte lang verwendet. Foto © Braun Archiv, Kronberg

Das Ausstellungssystem d55 wurde von der Firma Braun erstmals in Düsseldorf 1955 und anschließend zwei Jahrzehnte lang verwendet. Foto © Braun Archiv, Kronberg

Braun-Geräte und das Braun-Display von Aicher und Conrad. V.l.n..r.: Radio-Phono-Kombination „PK G 4“ von 1956, Entwurf Hans Gugelot (hintere Reihe); vorn: Kofferempfänger „T 22“ von 1960, Entwurf: Dieter Rams; Kofferempfänger „T 52“ von 1961, Entwurf: Dieter Rams, Tischsuper „TS 3“ von 1957, Entwurf: Herbert Hirche; Phonosuper „SK 61“ von 1962, Entwurf Hans Gugelot und Dieter Rams; Taschenempfänger „T 3“ von 1958, Entwurf: Dieter Rams; Taschen- und Kofferempfänger „TP 1“ von 1959, Entwurf: Dieter Rams; Zusatzlautsprecher „L 02“ von 1952, Entwurf: Dieter Rams; dahinter: Kompaktgerät „RC 9“ Atelier 2 von 1961. © Braun Archiv Kronberg

Otl Aicher, Christoph Naske und Fritz Querengässer bei einer Pause während des ersten Aufbaus des Braun-Messestands d55 für die Düsseldorfer Rundfunkmesse 1955. Datum der Aufnahme: 25. August 1955. Foto: Hans G. Conrad. © René Spitz

Welchen Einfluss hatte Aicher auf Deine Arbeit?

Otl Aicher habe ich nie als meinen Weisungsgeber angesehen; aber Hans Gugelot war wie ich, er hat die Dinge genauer angesehen. Er war ja auch nicht nur Designer, sondern Architekt. Architekten waren anders ausgebildet als Designer.

Es gab zu der Zeit doch keine richtige Designausbildung in Deutschland, Ulm war ja noch in der Schwebe.

Dieter Rams: Die Architekten …

… konnten entwerfen, darstellen …

Dieter Rams: … und konstruieren!

Das meine ich: technische Systeme entwerfen, zumindest war das damals noch so.

Dieter Rams: Designer sollten sich auch heute näher an den Architekten orientieren. Thomas Herzog sagt mir mit seinem Münchner Oskar-von-Miller-Forum etwa mehr zu als Otl Aicher mit seinen Architekturentwürfen. Ich mochte aber Aichers Corporate Design für die Lufthansa, auch für die Olympischen Spiele in München. Bei einem meiner Besuche in Rotis habe ich ihm erzählt, dass ich von der Lufthansa eine Wettbewerbseinladung für das neue Bordgeschirr in den Flugzeugen hätte. Seine Reaktion: Um Gottes willen, lass‘ bloß die Finger von der Lufthansa. Er warnte mich und hatte nicht unrecht, wenn ich daran denke, wie es weiterging.

Das Gebäude entstand 2010 nach Plänen des Architekten Thomas Herzog und besteht aus drei Baukörpern, die U-förmig um einen zentralen Innenhof angeordnet sind. © Oskar von Miller Forum

Das Gebäude entstand 2010 nach Plänen des Architekten Thomas Herzog und besteht aus drei Baukörpern, die U-förmig um einen zentralen Innenhof angeordnet sind. © Oskar von Miller Forum

Aber wann genau hast du Otl Aicher aus den Augen verloren? Nach dieser FSB-Ausstellung 1986, die die Resultate des legendären Klinken-Workshops präsentierte?

Dieter Rams: Ja. Jürgen Werner Braun von FSB hat Otl Aicher als Gott verehrt. Aber danach kam nichts mehr.

Auch nichts zum Geburtstag …

Dieter Rams: … nichts.

Ihr habt euch sozusagen mal kurz getroffen und parallel zwei Welten aufgebaut. Ihr habt euch aber doch wahrgenommen: in Rotis etwa …

Dieter Rams: … hat er mir sein Rotis sogar voller Stolz gezeigt. Und ich war begeistert von dem, was er dort aufgebaut hatte: ein eigenes Dorf mit eigenem Strom. Von da an hat er nicht mehr an mir vorbeigeschaut.

Anlässlich des 100. Geburtsjubiläums von Otl Aicher fertigt FSB den von Otl Aicher gestalteten Türdrücker „FSB 1305“. In kleiner Stückzahl war der Griff Ende der Achtzigerjahre für Aichers Atelier in Rotis produziert worden. © FSB

Anlässlich des 100. Geburtsjubiläums von Otl Aicher fertigt FSB den von Otl Aicher gestalteten Türdrücker „FSB 1305“. In kleiner Stückzahl war der Griff Ende der Achtzigerjahre für Aichers Atelier in Rotis produziert worden. © FSB

Otl Aicher (links) Dieter Rams (Mitte) und Sepp Landsbeck in Rotis. © FSB

Du warst ja auch schon ein paar Jahre bei Braun und international bekannt.

Dieter Rams: Hm.

Die Akzeptanz ging von ihm aus?

Dieter Rams: Ja. ich bin in meinem Porsche nach Rotis gefahren, obwohl ich wusste, dass er eine Polemik über Autos veröffentlicht hatte.

Er hat sogar ein ganzes Buch über Autos geschrieben. Es heißt „Kritik am Auto – Schwierige Verteidigung des Autos gegen seine Anbeter.“

Dieter Rams: … und darin sind Autos nicht gut weggekommen.

… er hatte ja auch recht damit.

Klaus Klemp: Otl Aicher war aber andererseits ein Autonarr und ist selbst wie ein wilder gefahren. Er war ein leidenschaftlicher Autofahrer, seine Tochter Pia ist leider bei einem Autounfall umgekommen.

Ach du Schande. Und er später auf seinem Rasenmäher.

Klaus Klemp: Kommen wir kurz zu Braun zurück: Anfang 1955 kamen Hans Gugelot und Otl Aicher mit Braun zusammen, letzterer gab Raster und Schriften für die Werbung vor. Wolfgang Schmittel, der Braun-Grafiker, Werber und Fotograf, hat das schnell umgesetzt, oder?

Dieter Rams: Als Leiter der Designabteilung war ich ab 1961 dem Leiter der Kommunikation, also Schmittel, gleichgestellt. Den Wolfgang Schmittel hat Otl Aicher sehr für sich eingenommen. Ich kann mich noch gut an eine Szene erinnern, bei der ich eher zufällig anwesend war. Es ging um Fotos für Braun, immer mehr Fotos. immer mehr Alternativen. Das war typisch für Wolfgang Schmittel und Fritz Eichler: noch eine Alternative und noch eine Alternative. Ich muss innerlich gestrahlt haben, als Otl Aicher, der das Ganze ja veranlasst hatte, kam und sagte: „Das brauche ich alles gar nicht. Ich, weiß, was ich will!“ Das fand ich großartig.

Die Braun-Wortmarke wurde bereits 1952 von Wolfgang Schmittel grundlegend überarbeitet. © Braun Archiv Kronberg

Wolfgang Schmittel, Dieter Rams und Fritz Eichler (v.l.n.r.) vor den Plänen für einen Messeauftritt. © Braun Archiv Kronberg

Die Braun-Wortmarke wurde bereits 1952 von Wolfgang Schmittel grundlegend überarbeitet. © Braun Archiv Kronberg

Wolfgang Schmittel, Dieter Rams und Fritz Eichler (v.l.n.r.) vor den Plänen für einen Messeauftritt. © Braun Archiv Kronberg

Klaus Klemp: Hat Otl überhaupt bei Braun in der Grafikabteilung mitgemacht?

Dieter Rams: Nein. Otl Aicher gab nur die Linie vor. Das wurde allein von Wolfgang Schmittel umgesetzt. Von Aicher stammen das Raster und einige Beispiele, die Messestände und die Pavillons auf den Messen in Düsseldorf und später in Frankfurt. Dazu Schaufenster-Präsentationen, die halfen, Präsenz gegenüber dem Drumherum zu entfalten. Das wurde in Aichers Abteilung in Ulm entwickelt. Da hatte er gute Leute. Wie sehr er sich persönlich aber dafür voll engagiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Aber das war alles Grafik- und Ausstellungsdesign. Aber wie steht es mit der Architektur?

Dieter Rams: Als ich mit der Planung für die Braun-Siedlung am Roten Hang6 anfing, gab es schon Entwürfe aus Ulm für die Neubauten in Kronberg, die ich zwar nie sah, aber viel von ihnen gehört hatte. Otl Aicher hatte Gästehäuser vorgeschlagen und gefordert, alles sollte eingegliedert werden in einen Campus, samt „Kaufhaus des guten Geschmacks“. Es wurde aber nichts daraus.

Aus Otl Aichers Entwurf wurde nichts. Aber zumindest entstand der Ort, an dem wir uns gerade unterhalten, dein Haus in der Kronberger Siedlung Roter Hang.

Dieter Rams: Ja. Auch Aicher ging übrigens schon schwer in den Städtebau hinein – und ich dachte: Jetzt übernimmt er sich doch etwas. Das hat mich natürlich interessiert, aber auf meine Arbeit hatte er keinen Einfluss.

Klaus Klemp: Das große Projekt von Aicher war das sogenannte Projekt „Haus 62“. Bereits 1958 wurden Erweiterungsgelände in Kronberg erworben. Es sollte nach Aicher auf dem Hauptgelände ein großer Campus mit „grünen Fabriken“, Siedlungsbauten, Geschäften, einem Hotel, Restaurants, Kindergärten und Sozialeinrichtungen entstehen. Sogar ein Hochhaus war geplant. Alles sollte an einem strengen Modulsystem ausgerichtet werden. Das ging bis zu den Inneneinrichtungen mit modularen, integrierten Küchenelementen. Aicher sprach von einer „Überwindung des Produktfetischismus“. Dafür hatte er fast die gesamte Ulmer Mannschaft eingeplant. Die Entwürfe befinden sich heute im HfG-Archiv Ulm. Welch andere Wendung hätte die HfG wohl genommen, wenn dieses Projekt realisiert worden wäre? Im September 1960 schrieb Braun aber Aicher ab. Die Zeit sei für ein solchermaßen industrialisiertes Bauen noch nicht reif, hieß es.

Ein enormer Aufwand. Wurde der auch bezahlt?

Klaus Klemp: Erwin Braun war immer großzügig. Doch dieses Projekt war auch für ihn zu groß und zu gewagt. So wurde die Fabrik schließlich relativ konventionell gebaut. Otl Aicher machte indes weiter: Nahe von Bad Schwalbach sollte ein neuer Stadtteil entstehen: die Limesstadt. Aichers Korrespondenz mit Bauträgern und Behörden liest sich nach dem Motto: Bloß keinen Wettbewerb! Wir müssen das direkt bekommen, alles andere hat keinen Sinn. Der Bauträger, die Nassauische Heimstätte, ist aber nicht darauf eingegangen. Und den dann ausgelobten Wettbewerb gewann der damals allseits bekannte Stadtplaner Hans Bernhard Reichow, Verfasser der Bücher „Organische Stadtbaukunst“ und „Die autogerechte Stadt“.

„Haus 62“: Hochhausstudie von Otl Aicher

„Haus 62“: Pavillionbauten für Erweiterung von Braun. Geplant waren Wohnbauten und eine Fabrik im Grünen. Entwurf: Otl Aicher. © Florian Aicher

„Haus 62“: Hochhausstudie von Otl Aicher

„Haus 62“: Pavillionbauten für Erweiterung von Braun. Geplant waren Wohnbauten und eine Fabrik im Grünen. Entwurf: Otl Aicher. © Florian Aicher

Der Braun-Betriebsspiegel 05/1960 informiert über die geplante Satellitenstadt in Schwalbach nahe Kronberg „Am Limes“. © Braun Archiv Kronberg

Der Braun-Betriebsspiegel 05/1960 informiert über die geplante Satellitenstadt in Schwalbach nahe Kronberg „Am Limes“. © Braun Archiv Kronberg

Broschüre der Nassauische Heimstätte, Grafik: G. Köhler, 1960. Sammlung Fabian Wurm

Broschüre der Nassauische Heimstätte, Grafik: G. Köhler, 1960. Sammlung Fabian Wurm

Und die Verbindung von Braun zu den Olympischen Spielen in München? Oder zu Otl Aichers Engagement für den Flughafen München, von der Grafik bis hin zum Konzept: das Geduckte unter weiß-blauem Himmel?

Klaus Klemp: Braun stand doch seit 1967 unter amerikanischem Management, seit die Gillette-Company Braun übernahm; und da fand man wenig Gegenliebe für Aichers riskante Moderne-Experimente.

Aber so entstand dennoch ein wirklich großes Unternehmen.

Klaus Klemp: Das ist eben Kronberg: auf der einen Seite Provinz, auf der anderen Seite absolut international. Die Protagonisten sind hier vom nahen Frankfurter Flughafen direkt nach Japan, in die Vereinigen Staaten oder später China gestartet. Braun in Kronberg war eine Art Ufo mit internationalen Destinationen.

Nochmals zurück zu Aicher. Er war nie bei Dir, und privat hattet ihr auch nie ein Treffen? Du warst ja inzwischen weltbekannt für das Braun-Design.

Dieter Rams: In Ulm waren ja alle nicht sehr gut miteinander …

… das ist ja möglicherweise auch ein Grund, warum es gescheitert ist. Nicht nur aus philosophischen, theoretischen oder politischen Gründen.

Dieter Rams: Was blieb, war eine gewisse Arroganz der Ulmer. Ich hatte drei Mitarbeiter von dort, die mir oktroyiert worden waren. Zum Glück konnte sich meine Stammmannschaft gegen sie durchsetzen, denn die Ulmer wollten alles anders machen. Ich hatte dann sehr viel Arbeit mit den Technikern, die sich von ihnen übergangen fühlten.

Was heißt das eigentlich konkret: die Arroganz der Ulmer?

Dieter Rams: Die Ulmer ließen niemandem den Vortritt.

Rams-Buch, Cover, Prestel Verlag, 2017

Aicher-Buch, Cover, Prestel Verlag, 2022

Rams-Buch, Cover, Prestel Verlag, 2017

Aicher-Buch, Cover, Prestel Verlag, 2022

Aber wenn man von deinen Geräten redet, wird doch immer behauptet, das sei Ulmer Sprache.

Dieter Rams: Die Grundidee war meine Idee, die hatte ich vorher schon.

Welche Rolle spielte Herbert Lindinger?

Dieter Rams: Manchmal heißt es, er habe die Skala für das letzte Modell der SK-Baureihe, den Phonosuper SK 557 von 1963 entworfen, was so nicht stimmt. Er hat vielleicht etwas vorgeschlagen, aber gemacht haben wir das in Frankfurt.

Also nicht Lindinger oder Aicher?

Dieter Rams: Nein, die Skala des Phonosuper SK 55 nicht, obwohl die Ulmer selbstverständlich hoch qualifiziert waren.

Herbert Lindinger hat mehr mit Otl Aicher zusammengearbeitet als mit Hans Gugelot – oder?

Dieter Rams: Das kann ich schwer beantworten. Als ich in Ulm den Plexiglasdeckel vorstellte, war Lindinger jedenfalls nicht dabei, sondern Helmut Müller-Kühn, den ich noch aus der Werkkunstschule Wiesbaden als Kommilitonen kannte. Ich hatte die Aufgabe, mit einem Okay von Hans Gugelot zurückzukommen, und habe mich um das Drumherum wenig gekümmert. Ich war froh, dass ich arbeiten konnte. Ich weiß nicht, woher viele Ulmer immer noch diese Arroganz nehmen, sie hätten alles erfunden.

Klaus Klemp: Die Ulmer verstanden sich fraglos als Elite, die dort oben auf dem Kuhberg, ohne größeren Kontakt zur Stadt arbeitete, sozusagen fast klösterlich. Das waren durchaus bestens qualifizierte Leute. Es ist klar, dass da ein Elitedenken Einzug hielt. Aber in einem Punkt unterscheidet sich Braun erheblich: Braun war ein Industriebetrieb, der mit beiden Beinen auf dem Boden der wirtschaftlichen Realität stand. Dort war der Druck, etwas Verkaufbares herzustellen, natürlich viel größer.

Dieter, warst du eigentlich mit Inge Aicher-Scholl im Austausch, sie hatte doch zunächst den Kontakt zu Braun hergestellt?

Dieter Rams: Nein, Hans Gugelot war der Einzige, mit dem ich in Ulm sprach.

Otl Aicher hat ja damals in Ulm gewohnt.

Klaus Klemp: Ja, er bewohnte mit seiner Familie eines der Meisterhäuser. Erwin Braun hat das mitfinanziert. Inge Aicher-Scholl hat Erwin Braun immer wieder für finanzielle Zuwendungen gewinnen können.

Dieter Rams: Ich jedenfalls war in Ulm nur Gast bei Gugelot. Sein Haus kannte ich, sonst nichts.

Dieter, vielen Dank für deine Erinnerungen.

Das Gespräch zwischen Dieter Rams und Fritz Frenkler fand statt am 10. September 2021 bei Rams zu Hause in Kronberg/Taunus.
Aufzeichnung, Transkription und Bearbeitung: Oliver Herwig.
Bild- und Schlussredaktion: Fabian Wurm (FW).

Dieter Rams, der einstige Chefgestalter des Elektrogeräteherstellers Braun, ist kein Freund schriller Töne – nicht im Gespräch und schon gar nicht im Design. „Gutes Design“, lautet das vielzitierte Paradoxon des weltberühmten Gestalters, „ist so wenig Design wie möglich“. Industriedesign sei zuallererst eine Frage der Technologie, hält „Mr. Braun“, wie er in der englischsprachigen Welt gern genannt wird, allen Freunden opulenter Formen stoisch entgegen. Spätestens seit sich Apples Power-Macs, iPods und iPhones deutlich Braun-inspiriert zeigen, ist der mittlerweile 90-jährige Rams wieder in den Fokus gerückt: als großer Entrümpler, Befreier von Pomp und Bombast. Es war einer der ersten Entwürfe für Braun, der dem diplomierten Architekten 1956 Aufmerksamkeit verschaffte: die Radio-Plattenspieler-Kombination SK 4, die Rams gemeinsam mit Hans Gugelot entwarf. Der weiß lackierte Blechkorpus mit einer Abdeckhaube aus Acrylglas und Wangen aus hellem Holz wurde zum Designklassiker („Schneewittchensarg“). Ab dem Jahr 1957 arbeitete Dieter Rams auch als Möbeldesigner für die Firma Otto Zapf, seit 1961 Vitsoe & Zapf, die 1969 in Vitsœ umbenannt wurde. Für den Hersteller FSB entwarf der Braun-Chefdesigner im Jahr 1986 die RGS-Serie, darunter Türdrücker und Fenstergriffe.

Fritz Frenkler zählt zu den renommiertesten zeitgenössischen Industriedesignern. Nach seinem Diplom an der an HbK Braunschweig arbeitete er bei Frogdesign Deutschland und USA in Altensteig und Cambell. 1986 übernahm er den Aufbau und die Leitung von Frogdesign Asien in Tokio. Von 1992 bis 1999 war er Geschäftsführer der Wiege Wilkhahn Entwicklungsgesellschaft, im Anschluss Designchef der Deutschen Bahn und Geschäftsführer der Deutschen Bahn Medien. Seit August 2001 ist er geschäftsführender Gesellschafter von f/p design und seit 2005 Professor h. c. der HBK Braunschweig. Im Jahr 2006 wurde Fritz Frenkler als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Industrial Design an der Technischen Universität München (TUM) berufen. Seit Oktober 2020 ist er dort Emeritus of Excellence in der TUM Senior Excellence Faculty. Auf der Herbst-Mitgliederversammlung 2021 der Akademie der Künste in Berlin wurde Frenkler zum Direktor der Sektion Baukunst gewählt.

Klaus Klemp ist promovierter Design- und Kunsthistoriker sowie Ausstellungskurator. Er lehrte als ordentlicher Professor an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und ist Honorarprofessor an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden für Designgeschichte und -theorie. Bis 2020 war Klemp Kurator für Design am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Im Jahr 2009 wurde Klemp in den Vorstand der Dieter und Ingeborg Rams Stiftung berufen.

Oliver Herwig arbeitet als Moderator und Journalist in München. Der promovierte Literaturwissenschaftler schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung, unterrichtet Designtheorie an der Kunstuniversität Linz, konzipiert Tagungen und moderiert Podiumsgespräche.

Großer Dank für Informationen und Abbildungen an: Thomas Guttandin (Braun Archiv/BraunSammlung, Kronberg), Hartmut Jatzke-Wigand (Design + Text, Hamburg), Klaus Klemp (Vorstand der Dieter und Ingeborg Rams-Stiftung, Kronberg) und an den Publizisten und Designforscher René Spitz, Köln, der uns freundlicherweise zwei Fotos aus dem Nachlass von Hans G. Conrad zur Verfügung gestellt hat. FW.

Für das kommende Jahr ist eine neue Veröffentlichung von René Spitz angekündigt:
Hans G. Conrad: aicher in ulm. Hg. von René Spitz. Mit zwei Texten von Otl Aicher und einem Essay von Thilo Koenig.
312 Seiten, 446 Abbildungen, zweisprachig dt./engl.
Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Februar 2023

Anmerkungen

  1. Hans Gugelot (1920-1965) zählt zu den Schlüsselfiguren des Designs in der Nachkriegsepoche. Gemeinsam mit Aicher arbeitete er in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre maßgeblich am Erscheinungsbild des Elektrogeräteherstellers Braun mit. Von 1954 bis zu seinem frühen Tod 1965 war er Dozent an der Hochschule für Gestaltung Ulm HfG), gründete die eigenständige Entwicklungsgruppe II, später das Institut für Produktentwicklung und Design, aus der die Gugelot Design Gmbh hervorging.
    Otl Aicher hat Gugelots Auffassung von Design, seine Arbeitsmethode und Technikbegeisterung stets hervorgehoben: „in der arbeit von hans gugelot gibt es viel technische neugierde, aber nie pathos, schrieb er über Gugelot. In dieser Hommage an Gugelot sind auch die viel zitierten Sätze zu finden: „der designer ist eine art moralist. er wertet. seine tätigkeit besteht aus wertungen.“
  2. Der Braun SK 4 oder auch Phonosuper SK 4 (auch „Schneewittchensarg“ genannt) ist eine Radio-Plattenspieler-Kombination, die ab 1956 von Braun produziert wurde. Sie besteht aus einem Röhrenradio und einem Plattenspieler in einem ganzseitig geschlossenen Gehäuse aus Metall und Holz mit Acrylglasdeckel.
  3. Deutsche Rundfunk-, Fernseh- und Phonoausstellung 1955, Messe Düsseldorf vom 26. August bis 4. September.
  4. Fritz Eichler (1911-1991) war promovierter Kunsthistoriker, Maler, Film- und Theaterregisseur sowie Kinderbuchautor. Er war der erste Design-Direktor der Firma Braun.
    Das umfassende Werk von Eichler wird in einem jüngst erschienen Buch gewürdigt: Magdalena De Gasperi (Förderkreis BraunSammlung e.V.): „Fritz Eichler – Der Regiemann. The Man Who Directed“, Kronberg 2021.
  5. Das Einrichtungshaus „wohnbedarf“ wollte „Lebensform und Wohnkultur miteinander verschmelzen“. Die Gründer das Unternehmens, das Geschäfte in mehreren Schweizer Städten unterhält, waren Werner Max Moser, Sigfried Giedion und Rudolf Graber. Eng verbunden mit dem wohnbedarf ist auch Max Bill, der das wohnbedarf-Erscheinungsbild entwarf und dessen Möbel seit 1950 von dem Unternehmen vertrieben werden. Das Geschäft „wohnbedarf zürich“ befand sich in der Talstraße 11, seit 2022 findet es sich in der Uraniastrasse 40.
  6. Auf Dieter Rams gehen die ersten Entwürfe der Siedlung „Roter Hang“ in Kronberg zurück. Braun hatte sich bereits 1958 das Vorkaufsrecht für das Grundstück gesichert. Ursprünglich war die Siedlung für Mitarbeiter und Gäste des Unternehmens konzipiert. Bereits in den frühen Sechzigerjahren zog sich die Firma Braun schrittweise aus dem Projekt zurück. Der Königsteiner Architekt Rudolf Kramer fertigte die Ausführungspläne. Die konkreten Bauplanungen begannen 1968, die Fertigstellung war 1974. Rams selbst besitzt ein 1971 bezogenes Wohn- und Atelierhaus in der Siedlung, in dem auch das Gespräch über Aicher stattfand.
    Vgl.: „Wohnen in der Nachkriegsmoderne. Siedlungen in der Region Rhein-Main“ (herausgegeben von Maren Harnack u. a.), Berlin, München 2020.
  7. Der Phonosuper SK 55 kam 1963 als das letzte Modell der SK-Baureihe auf den Markt und wies einige Veränderungen zu den Vorgängern auf. Das vordere Gitter im Gehäuse wurde durch einen Steg unterteilt, und es gab einen komplett überarbeiteten Plattenspieler mit der Bezeichnung P2, der erstmals mit einem justierbaren Tonarm versehen war.