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otl aicher 100: „wir haben brot, wir haben spiele“ – Vortrag und Podiumsdiskussion in der Akademie der Künste

Anlässlich des 50. Jubiläums der Olympischen Spiele 1972 lädt das IDZ am 26. August zu einer Diskussion über die Vision der Spiele von München und den Status quo sowie die Zukunft der olympischen Bewegung ein. Die Veranstaltung in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz ist Teil der Initiative „otl aicher 100“, die mit der Onlineplattform otlaicher.de den vielfältigen Themenkosmos von Otl Aicher beleuchtet. Aicher, dessen hundertstes Geburtsjubiläum wir in diesem Jahr feiern, war als Gestaltungsbeauftragter für das visuelle Erscheinungsbild der Münchner Spiele verantwortlich.

Berlin, 2. August 2022 – 36 Jahre nach den ersten deutschen Olympischen Spielen, über denen noch die Hakenkreuz-Fahnen wehten, schuf Otl Aicher für die Spiele der XX. Olympiade in München ein allumfassendes Gestaltungssystem mit dem Regenbogen als Farbpalette und einem Dackel als Maskottchen. Dienten die Spiele 1936 den propagandistischen Interessen der Nazis, so versuchte man 1972 ein weltoffenes Bild zu vermitteln und einen bewussten Kontrapunkt zur Vergangenheit Nazideutschlands zu setzen.

Das Organisationskomitee sah in der Ausrichtung der Münchner Spiele eine historische Verpflichtung und Aufgabe. Es sollte ein Deutschland gezeigt werden, das als verlässlicher, friedlicher Partner in der Völkergemeinschaft den olympischen Gedanken des freundschaftlichen Miteinanders der Nationen lebt. Elementarer Bestandteil für diese Imagebildung war das visuelle Erscheinungsbild, welches unter der Federführung von Otl Aicher entstand. Es sollte die sportlichen und programmatischen Inhalte transportieren und zugleich die spielerische Seite unterstreichen. Die „Regenbogenspiele“ haben bis heute gültige Maßstäbe gesetzt.

Auch die Spiele von München boten jedoch eine tragische Bühne für die Konflikte der Weltpolitik. Die Utopie von der „Jugend der Welt“, die sich zu heiteren Spielen in einem toleranten Land trifft, erstarb im palästinensischen Terroranschlag auf die israelische Mannschaft am 5. September 1972. Dass die Spiele daraufhin nicht abgebrochen wurden, führte weltweit zu kritischen Diskussionen über das moralische Verantwortungsbewusstsein des IOC. Olympia wurde nach München weiter politisiert und kommerzialisiert. „The games must go on“, die Aussage von Avery Brundage nach dem Attentat hat eine scheinbar ewige Gültigkeit bekommen. 2036 könnten die Olympischen Spiele wieder in Berlin stattfinden. Und in Tel Aviv. Eine Idee ganz im Sinne von Otl Aicher? Hätte er sich dafür stark gemacht?

Die Debatte über die Ideale und den Status quo der olympischen Bewegung begleitet uns seit Jahrzehnten. Das öffentliche Image, nicht erfüllte Nachhaltigkeitsversprechen und nicht zuletzt eine sich neu justierende Weltordnung stellen grundsätzliche Fragen über die Zukunft der Spiele und ihre gesellschaftliche Akzeptanz. Die Veranstaltung „wir haben brot, wir haben spiele“ erinnert an die Utopie und Vision der Spiele von München und greift diese Fragestellungen auf.

 

Grußworte:
Prof. Fritz Frenkler, Direktor der Sektion Baukunst der Akademie der Künste
Prof. Karsten Henze, Vorstandsvorsitzender des IDZ

 

Vortrag:
Karsten de Riese, Fotograf
Der offiziell beauftragte Fotograf des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 1972 zeigt seine Sicht auf das Entstehen einer Utopie – einer Vision als Gegenentwurf zu Berlin 1936 und zu Spielen der Gegenwart wie 2022 in Peking. De Riese war aufmerksamer Beobachter vor und hinter den Kulissen und begleitete die Spiele und ihre Protagonisten, u. a. Otl Aicher, Willi Daume wie auch die Funktionäre des IOC und seinen Präsidenten Avery Brundage. Seine Aufnahmen zeigen Sportstätten, die nicht als reine Zweck-Architektur dienten, sondern als Kulisse für ein olympisches Fest mit seinem besonderen Geist erschaffen wurden. Die Spiele von 1972 präsentieren sich als ein zeitloses und bis heute einmaliges interkulturelles, völkerverbindendes Ereignis, bei dem die Welt im besten Sinne zu Gast war.

 

Podiumsdiskussion:
Dr. Benjamin Bendrich, Sportwissenschaftler und -lehrer, Blogger: derballluegtnicht.com
Dajana Eitberger, Rennrodlerin, Gewinnerin der Olympischen Silbermedaille in Pyeongchang 2018, Präsidiumsmitglied der unabhängigen Athleten-Vertretung „Athleten Deutschland“
Dr. Tobias Hoffmann, Direktor des Bröhan-Museums, Kurator der Ausstellung „Otl Aicher. Olympia 72“, 26. August bis 30. Oktober 2022
Uwe Ritzer, Reporter bei der Süddeutschen Zeitung, Co-Autor von „Die Spiele des Jahrhunderts: Olympia 1972, der Terror und das neue Deutschland“, dtv, München 2021

 

„wir haben brot, wir haben spiele“
Olympia als Politikum, Olympia als Utopie, Olympia als Big Business Eine Veranstaltung des IDZ Berlin im Rahmen von „otl aicher 100“

Ort: Akademie der Künste, Plenarsaal, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Termin: Freitag, 26. August 2022, Beginn 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) Get-together im Anschluss an die Veranstaltung

Wir bitten um rechtzeitige Anmeldung auf der Webseite des IDZ.
Bildmaterial für Ihre Berichterstattung haben wir auf unserer Presseseite für Sie zusammengestellt. 

 

Redaktionsteam:
Florian Aicher, Thomas Edelmann, Prof. Dr. Chup Friemert, Kai Gehrmann (Künstlerischer Leiter), Jasmin Jouhar, Katharina Kurz, Prof. Dr. Dagmar Rinker, Gerrit Terstiege und Fabian Wurm (Chefredakteur)

Förderer:
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Unternehmenspartner:
Bulthaup GmbH & Co KG; ERCO GmbH; FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG

Weitere Förderer und Kooperationspartner:
Bauhaus Dessau e.V.; Akademie der Künste, Berlin; Deutscher Werkbund Berlin e.V.; HfG-Archiv Ulm

Medienpartner:
ARCH+; brand eins; ndion

otl aicher 100: „natürlich ist ein auto auch ein zeichen“ – Otl Aichers Kritik am Auto. Retrospektive und Diskussion

Mit einer Retrospektive zu Otl Aichers 1984 erschienenem Buch „kritik am auto – schwierige verteidigung des autos gegen seine anbeter“ setzt das IDZ seine Veranstaltungsreihe zur Initiative „otl aicher 100“ fort. Der Gesprächsabend findet am 25. Juni 2022 in den Räumen der ehemaligen Hochschule für Gestaltung Ulm statt.

Berlin, 2. Juni 2022 – Das Internationale Design Zentrum Berlin (IDZ) erinnert in diesem Jahr mit der Webplattform otlaicher100.de und einer ergänzenden Veranstaltungsreihe an Leben, Werk und Wirkung des Gestalters, der am 13. Mai hundert Jahre alt geworden wäre. Fragestellungen, die Aicher beschäftigten, werden mit heutigen Akteuren der Designwelt diskutiert und vertieft.

Im Gesprächsabend am 25. Juni wird es um sein 1984 erschienenes Buch „kritik am auto – schwierige verteidigung des autos gegen seine anbeter“ gehen. Aicher schreibe „ein kritisches buch über autos, aber er verheimlicht nicht, dass er autos liebt“, heißt es im Klappentext. Sein Interesse für das Gesamtphänomen Auto, dem er seine analytische, bisweilen auch polemische Schrift widmete, entsprach seiner Begeisterung für Technik. Er nahm 100 Jahre Automobilgeschichte zum Anlass für eine Rückschau auf Konzepte, Modelle und Strategien. Auch die „grenzen der belastbarkeit“ thematisierte er: Umweltaspekte, Verkehrssicherheit, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Giftstoffe.

In den vergangenen vierzig Jahren hat sich das Automobil, haben sich Märkte, soziale Ansprüche und wirtschaftliche Tendenzen grundlegend weiterentwickelt. Die meisten heute aktuellen Tendenzen konnte Aicher kaum voraussehen. Zwar ist das Auto noch immer erstes Mittel sozialer Distinktion, der oftmals prophezeite Kollaps der Verkehrssysteme blieb allerdings bislang aus. Autonomes Fahren verändert womöglich den Gebrauch, Luxus und gestalterische Extreme beherrschen die Szenerie. Wo setzt Kritik am Auto heute wirksam an?

Unter veränderten Bedingungen gilt heute, was Otl Aicher bereits 1984 formulierte: „das konzept allein tuts offenbar nicht, um zu einem guten auto zu kommen.“ Heute beschäftigt uns die Frage, wie das Auto beschaffen sein muss, um weniger dominant zu sein im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsmitteln, auch um stadtverträglicher zu erscheinen. Aber auch, wie sich sinnloser Verkehr vermeiden und erwünschte Mobilität ermöglichen lässt. Fragen, die auch in der Diskussionsrunde auf der Agenda stehen.

 

Diskussionsteilnehmer:
Peter Wouda leitet das Volkswagen Group Future Center Europe in Potsdam und gestaltet mit seinem Team visionäre Studien des VW Konzerns. Er versucht aus Perspektive der Industrie Antworten für die Herausforderungen der Zukunft zu gestalten. Wouda gehört dem Vorstand des IDZ Berlin an.

Prof. Lutz Fügener ist Studiengangsleiter Design und Mobilität am Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Hochschule Hof in Selb. Seit vielen Jahren gehört er zu den bekanntesten Lehrenden, die Automobildesigner:innen in Deutschland ausbilden. Zugleich tritt er öffentlich immer wieder mit kritischen Positionen zur Entwicklung des Autos und den Schwerpunksetzungen der Industrie in Erscheinung.

Prof. Dr.-Ing. Gebhard Wulfhorst, Inhaber des Lehrstuhls für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung an der TU München, setzt bei der Kritik an Fehlentwicklungen der Mobilität auf der Ebene von Stadt- und Verkehrsplanung an. Verkehr, der durch klug geplante Städte und Regionen gar nicht erst entsteht, verursacht auch keine unerwünschten Aspekte.

Florian Aicher berichtet zu Beginn aus seiner Mitarbeit an Ausstellung und am Buch „kritik am auto“. Zugleich versucht er Kritik, wie sie Otl Aicher 1984 formulierte, auf die gegenwärtige Szenerie zu beziehen.

Gemeinsam mit Florian Aicher moderiert der Hamburger Journalist und Kritiker Thomas Edelmann.

Besucher:innen können an diesem Abend Eindrücke von der Architektur der HfG gewinnen und sie können einige der Ausstellungstafeln von 1984 studieren, die das HfG-Archiv Ulm, Gastgeber der Veranstaltung, eigens aufbauen wird. Außerdem ist „delta 1“, der Prototyp eines Sportwagens aus dem Jahr 1967 im Original zu sehen. Als „studienobjekt für leichtbauprinzipien“ von Henner Werner, Michael Conrad und Detlef Unger, Absolventen der HfG Ulm geschaffen, wurde der Wagen in Aichers Buch vorgestellt.

„natürlich ist ein auto auch ein zeichen“ – Otl Aichers Kritik am Auto
Retrospektive und Diskussion, eine Veranstaltung des IDZ Berlin im Rahmen von „otl aicher 100“

Ort: HfG-Archiv Ulm, Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
Termin: Samstag, 25. Juni 2022, Beginn 19:00 Uhr

Wir bitten um rechtzeitige Anmeldung! Für die folgenden weiteren Veranstaltungen der Reihe können Sie sich ebenfalls schon jetzt anmelden.

Bildmaterial für Ihre Berichterstattung stellen wir Ihnen auf Anfrage gern zur Verfügung.

 

Redaktionsteam:
Florian Aicher, Thomas Edelmann, Prof. Dr. Chup Friemert, Kai Gehrmann (Künstlerischer Leiter), Jasmin Jouhar, Katharina Kurz, Prof. Dr. Dagmar Rinker, Gerrit Terstiege und Fabian Wurm (Chefredakteur)

Förderer:
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Unternehmenspartner:
Bulthaup GmbH & Co KG; ERCO GmbH; FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG

Weitere Förderer und Kooperationspartner:
Bauhaus Dessau e.V.; Akademie der Künste, Berlin; Deutscher Werkbund Berlin e.V.; HfG-Archiv Ulm

Medienpartner:
ARCH+; brand eins; ndion

otl aicher 100: Festveranstaltung in der Akademie der Künste und Launch der Onlineplattform otlaicher100.de

Heute jährt sich der Geburtstag von Otl Aicher zum hundertsten Mal. Das Internationale Design Zentrum Berlin (IDZ) nimmt dieses Datum zum Anlass, diesen großen Gestalter zu würdigen. Mit otlaicher100.de geht eine neue Onlineplattform an den Start – ein kuratierter Raum, der über Leben und Werk Otl Aichers informiert und zum Diskurs einlädt. Zudem wird es in einem Diskussions- und Vortragsabend in der Akademie der Künste um Ethik und die kulturellen Dimensionen der künstlichen Intelligenz gehen.

Berlin, 13. Mai 2022 – Otl Aicher (1922 – 1991) gilt als einer der prägenden deutschen Protagonisten des Designs im 20. Jahrhundert. International bekannt wurde er vor allem als Gestaltungsbeauftragter der Olympischen Spiele 1972 in München. Neben seinen gestalterischen Projekten hat er sich auch immer wieder tiefgründig mit gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt und den inhaltlichen Spagat zwischen Philosophie, Kommerz und Design aktiv gesucht – als Hochschulgründer, Grafiker, Typograf, Unternehmensberater, Bildhauer, Philosoph, Autor und eingreifend gestaltender Intellektueller.

Heute wäre Otl Aicher 100 Jahre alt geworden. Auf Initiative von Kai Gehrmann und Florian Aicher nimmt das IDZ dieses Datum zum Anlass, unter dem Titel „otl aicher 100“ das Leben und Werk dieses großen Gestalters zu erschließen.

 

Onlineplattform otlaicher100.de

Mit otlaicher100.de wird am Abend eine Onlineplattform live geschaltet, die über das Jahr des Geburtsjubiläums hinaus als erste Anlaufstelle für Interessierte dienen soll, die sich mit Otl Aicher befassen und von seinem Schaffen inspirieren lassen möchten. Sie startet mit mehreren, eigens verfassten Textbeiträgen – und vielen Bildern, darunter teilweise bislang noch „ungehobene Schätze“ aus dem HfG-Archiv Ulm, in dem sich auch Otl Aichers Nachlass befindet. Bis zum Jahresende wird die Webseite weiter wachsen, so dass sich ein Besuch immer wieder lohnen wird.

 

Veranstaltungsreihe

Flankiert wird die Webseite im Jubiläumsjahr von einer Reihe von Veranstaltungen. Den Auftakt bildet der heutige Vortrags- und Diskussionsabend „es gibt keinen computer, der nach freiheit ruft“ in der Akademie der Künste in Berlin. Anknüpfend an Otl Aichers Essay „kulturen des denkens“ wird es dabei in Vorträgen und Diskussionen um Ethik und die kulturellen Dimensionen der künstlichen Intelligenz gehen.

Mit Lukas Brand, Prof. Dr. Byung-Chul Han, Prof. Karsten Henze, Lorena Jaume-Palasí, Yasemin Keskintepe, Prof. Jeanine Meerapfel, Prof. Dr. Christoph Neuberger, Wolfgang Reul und Peter Schubert

Weitere Veranstaltungen in Kooperation mit der Akademie der Künste, dem Deutschen Werkbund Berlin und dem HfG-Archiv Ulm sind in Planung:

25. Juni 2022 „natürlich ist ein auto auch ein zeichen“
Retrospektive zu Otl Aicher: Kritik am Auto, München 1984
19 Uhr, Ulm HfG, Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
Anmeldung

26. August 2022 „wir haben brot, wir haben spiele“
Olympia als Politikum, Olympia als Utopie, Olympia als Big Business – zum 50. Jubiläum der Olympischen Sommerspiele München 1972
19 Uhr, Plenarsaal der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Anmeldung

20. Oktober 2022 „hier gibt es nichts, das schatten spendet.“
Vier Männer und zwei Motorräder in der Wüste
19 Uhr, Architektur Galerie Berlin, Karl-Marx-Allee 96, 10243 Berlin
Anmeldung

Bildmaterial für Ihre Berichterstattung stellen wir Ihnen auf Anfrage gern zur Verfügung.

 

Redaktionsteam:
Florian Aicher, Thomas Edelmann, Prof. Dr. Chup Friemert, Kai Gehrmann (Künstlerischer Leiter), Jasmin Jouhar, Katharina Kurz, Prof. Dr. Dagmar Rinker, Gerrit Terstiege und Fabian Wurm (Chefredakteur)

Förderer:
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Unternehmenspartner:
Bulthaup GmbH & Co KG; ERCO GmbH; FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG

Weitere Förderer und Kooperationspartner:
Bauhaus Dessau e.V.; Akademie der Künste, Berlin; Deutscher Werkbund Berlin e.V.; HfG-Archiv Ulm

Medienpartner:
ARCH+; brand eins; ndion